Ganze Generationen von Jugendlichen wurden zu Schulzeiten von Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrern mit den Publikationen der Bundeszentrale für politische Bildung gequält.

Dabei ist es völlig unangebracht, bereits bei der Erwähnung der Bundeszentrale in alte Muster der Prüfungspanik und Verweigerungshaltung zu verfallen. Jetzt – mit gehörigem Abstand zur Schullaufbahn – offenbart sich, dass die Lehrer schlicht die falschen und drögen Publikationen ausgewählt haben.

Dass es auch anders geht, habe ich neulich bereits einmal zu zeigen versucht. Getoppt wird das Ganze durch die zweibändige Reihe „Jugendkulturen in Deutschland“ von Klaus Farin (Bd. I: 1950-1989 und Bd. II: 1989-2005), die für jeweils faire zwei Euro Bereitstellungspauschale hier zu bestellen sind.

Rocker

Leseprobe gefällig?

Hier berichtet ein Zeitzeuge über den Angriff der „Halbstarken“ auf das bürgerliche Ideal von Angepasst-Sein, Ordnung und Strebsamkeit:

„Die Halbstarken kommen meist über die dritte oder vierte Klasse nicht hinaus. Man steht spät auf und treibt sich den Tag über herum. Bisweilen übernimmt man eine Gelegenheitsarbeit, um wieder ein paar Groschen in die Hand zu bekommen, damit man für die Destille etwas hat. Dort sitzen sie in Haufen, oder sie stehen an den Straßenecken oder in den Hausfluren. Ist irgendetwas los, ein Krawall oder Auflauf, dann sind sie da. In der Tasche haben sie Steine, gelegentlich auch ein Schießwerkzeug, mit den Fingern bringen sie die gellenden, durch Mark und Bein dringende Pfiffe hervor, vom Hinterhalt her wird so Revolution gemacht, mit Geschrei und Gejohle. Wendet man sich energisch gegen sie, so verschwinden sie wie die Ratten in ihren Löchern, denn dieses Volk ist feige.“

[Dehn, Günther: Großstadtjugend, 1919. In: Farin, Klaus: Jugendkulturen in Deutschland. 1950-1989, 2006, Bundeszentrale für politische Bildung]

http://www.bpb.de/publikationen/BHV6K9,0,Jugendkulturen_in_Deutschland_1950_1989.html

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