Gebrüder WolfAls Hamburger Lokalpatriot bin ich immer bemüht, „Ausländern“ (Süddeutschland beginnt ja bekanntlich ab Hannover) Hamburger Kultur und Lebensart nahezubringen. Ein Gespräch mit einer Bekannten über Plattdeutsch brachte mich gestern dazu, nach der inoffiziellen Hamburger Nationalhymne „An de Eck steiht ’n Jung mit’n Tüdelband“ zu googeln – und mit was für einem Erfolg: auf www.hamburg.de befindet sich nicht nur eine Kurzbiographie der Gebrüder Wolf, die 1917 diesen Gassenhauer schrieben, sondern auch der Text (einschließlich hochdeutscher Übersetzung) und das komplette Lied als mp3 zum kostenlosen Download (Rechtsklick und „Ziel speichern unter …“).

Volkommen neu war mir, dass eine dritte Zusatzstrophe existiert mit einer politischen Anspielung auf den Hamburger Aufstand von 1923:

An de Eck steiht ’n Jung mit Maschingewehr
in de anner Hand een Eierhandgranat,
wenn he blots nich mit de Dinger in’n Tüddel kommt
un Rumps! Da hebbt wi den Salat.
Un so seilt he ok gen Himmel
un seggt: so’n Schiet, nix gelernt bißt Militär.
As he rünnerkommt, seggt he: „Hett nich weh dohn
is’n Klacks für so’n Revolutschionär.“

Und wieder was dazugelernt …

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2 Responses to von Lokalpatrioten und Tüdelbändern

  1. Nebenanwisser sagt:

    Tja, a propos Lokalpatriotismus, der doch auch wieder etwas mit Abgrenzung zu tun: Jetzt überlegt ein Mal, was sich zur fast gleichen Zeit in München abspielte…!

  2. Fernwisser sagt:

    ehrlich gesagt, weiß ich nicht genau, worauf Du abzielst. Vielleicht die Zerschlagung der linksradikalen Räterepublik in München 1919 und den nachfolgenden „Rechtsruck“ in Bayern (siehe auch: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44511)?

    Ich weiß auch nicht, ob Patriotismus zwingend etwas mit Abgrenzung zu tun hat. Ich möchte mich jetzt aber nicht auf eine Debatte über positiv verstandenen Patriotismus und einem negativ verstandenen Nationalismus einlassen (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Patriotismus)

    Fakt ist: Ich trinke lieber Astra als dass ich Leberkäse essen!