Zensur im Mitmach-Internet
Seit gestern ist auf der Social-Bookmarking-Plattform digg.com ein Kampf um die Meinungsfreiheit im Internet entbrannt. Auf www.digg.com können Internetuser auf interessante Beiträge, Videos etc. im Internet hinweisen. Diese Hinweise werden wiederum von anderen Usern bewertet. Je höher die Bewertung steigt, desto gewisser ist die Aufmerksamkeit der Internetgemeinschaft.Nachdem am Montagabend ein Nutzer den Code zum Knacken des Kopierschutzes von HD-DVDs und Blu-Ray-Discs (den sog. Processing Key) auf digg.com verlinkt hat, steigt die Nachricht in der digg-Hierarchie schnell auf. Die Nachricht wird daraufhin von den Administratoren gelöscht und der User gebannt – aus Angst vor einer kostspieligen Klage der Filmindustrie, die in den vergangenen Tagen bereits zahlreiche andere Unternehmen abgemahnt hatte und offenbar auch digg.com mit einer Unterlassungsklage bedachte.Die Zensurversuche der digg.com-Betreiber stellen sich jedoch als nutzlos heraus. Andere Nutzer verlinken immer wieder auf die besagte Quelle. Schließlich kapitulieren die Seitenbetreiber von digg.com und unterlassen weitere Löschungen der Beiträge und Verbannungen der Nutzer.Auch der Appell der Firmenverantwortlichen, man müsse zum langfristigen Erhalt der digg.com-Seite Einsicht zeigen und die Löschung des Beitrages akzeptiere, erzielt keine Wirkung. Die Mehrheit der Nutzer, die schließlich für Inhalt und Wertschöpfung des Mitmach-Angebots verantwortlich sind, stellen sich eindeutig gegen eine Zensur.Der Firmengründer Kevin Rose resümiert daraufhin im firmeneigenen Blog man werde die Meinung der Nutzer akzeptieren, komme was wolle:
“But now, after seeing hundreds of stories and reading thousands of comments, you’ve made it clear. You’d rather see Digg go down fighting than bow down to a bigger company. We hear you, and effective immediately we won’t delete stories or comments containing the code and will deal with whatever the consequences might be.” [Quelle: Kevin Rose (digg.com Gründer) auf digg - the blog]
Andere Mitmach-Angebote im Web 2.0 stehen alltäglich vor ganz ähnlichen Problemen. Auch bei Youtube oder anderen Videoplattformen werden täglich rechtlich geschützte Inhalte von Administratoren gelöscht und daraufhin erneut von Nutzern online gestellt.Neu ist jedoch die Vehemenz mit der sich tausende von Nutzern eindeutig gegen eine Zensur ausgesprochen haben ebenso wie die mediale Aufmerksamkeit, die dieser Vorfall bekommt. Rein rechtlich ist wahrscheinlich kein Unterschied zu machen, zwischen einem urheberrechtsgeschützten Lied und einem ebenso geschützten Quellcode – moralisch, meiner Meinung nach, schon. Schließlich ermöglicht erst der Processing Key das Abspielen einer legal erworbenen HD-Disk auf einem Linux-System.Und wer sich jetzt fragt, wie denn ein Quellcode aussieht, der die Gemüter dermaßen in Rage bringt, der kann sich hier den Beitrag auf digg.com anschauen. Der Processing Key ist bereits in der kryptisch anmutende Buchstaben- und Ziffernfolge, die die Überschrift des Artikels darstellt, enthalten.
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